Jagd mit Schalldämpfern möglich

Pressemitteilung des BJV Dachverbands

Schallreduzierung aus medizinischen Gründen in Bayern ab sofort genehmigungsfähig

Feldkirchen – Seit vielen Jahren beschäftigt sich der Bayerische Jagdverband e.V. (BJV) in seinen Gremien und auf Landesjägertagen mit dem Thema der Schallreduzierung auf der Jagd aus medizinischen Gründen. Schon auf dem Landesjägertag 2013 in Memmingen war dies ein zentrales Thema des BJV-Schießausschusses. Das Bayerische Staatsministerium des Inneren und das Bayerische Staatsministerium für Ernährung Landwirtschaft und Forsten haben nun die behördlichen Hindernisse ausgeräumt und so den Weg für Genehmigungen frei gemacht. BJV Präsident Prof. Dr. Jürgen Vocke: „Hiervon profitiert vor allem die Gesundheit unserer Jägerinnen und Jäger, aber auch die unserer Jagdhunde.“

Ab sofort sind in Bayern Schalldämpfer für die Jagdausübung bei Langwaffen aus Gründen des Gesundheitsschutzes genehmigungsfähig. Unabhängig davon, ob eine Vorschädigung des Gehörs des Antragsstellers vorliegt, oder nicht.

In einem Schreiben an die Kreisverwaltungen macht das Bayerische Innenministerium deutlich, dass aus kriminaltechnischer Sicht keine Gründe vorliegen, die gegen eine Verwendung sprechen würden. Das ergab eine Bewertung des Bundeskriminalamtes (BKA). Es sei davon auszugehen, „dass auch mit einer stärkeren Verfügbarkeit keine negativen Begleiterscheinungen für die öffentliche Sicherheit und Ordnung einhergehen“.

Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung Landwirtschaft und Forsten schreibt hierzu weiter: „Durch den Schussknall bei der Jagdausübung können gesundheitliche Beeinträchtigungen beim Hörvermögen ausgelöst werden. Gehörschutz am Ohr ist nicht für alle Jäger und Jagdarten geeignet. Außerdem wird dadurch das Problem der Umweltbelastungen (Treiber, Hundeführer, Hunde, Anwohner, Erholungsverkehr etc.) nicht reduziert. Mit der Verwendung von Schalldämpfern wird die gesundheitliche Gefährdung, die bei der Abgabe eines Schusses entsteht, verringert. Der Schussknall wird hierbei nicht völlig, aber um 20 bis 30 Dezibel verringert. Durch diese Reduzierung wird eine für den Gesundheitsschutz entscheidende Lärmschwelle unterschritten. Im Rahmen einer verfassungskonformen Auslegung der jagd- und waffenrechtlichen Bestimmungen werden ab sofort Anträge von Jägern aus Gründen des Gesundheitsschutzes genehmigt.“

Der Weg der Genehmigung läuft über die zuständigen Waffenbehörden in Kreisverwaltungen und Landratsämtern.

Nachtrag: Auskunft von Peter Stieglbauer, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Landshut

Sehr geehrte Damen und Herren,

aufgrund diverser Nachfragen bei uns teilen wir Ihnen in aller Kürze ergänzend zu unserer Information vom 11.08.2015 folgendes mit:

    • Auf dem erwähnten Wildtierportal ist nun auch ein Antragsmuster zur Vorlage bei der Unteren Jagdbehörde eingestellt.
    • Inhabern eines Jugendjagdscheins kann mangels WBK kein Erwerb eines Schalldämpfers genehmigt werden. Sie können jedoch die jagdrechtliche Ausnahmegenehmigung zur Verwendung von Schalldämpfern erhalten und dann z.B. die geliehene schallgedämpfte Jagdwaffe der Begleitperson verwenden.
    • Die waffenrechtliche Erlaubnis zum Erwerb und Besitz von Schalldämpfern gilt bundesweit. Eine in Bayern erteilte jagdrechtliche Genehmigung zur Verwendung von Schalldämpfern gilt zunächst nur in Bayern; ein Einsatz darüber hinaus richtet sich nach den jagdrechtlichen Vorschriften des jeweiligen Landes.
    • Die Erlaubnis zum Erwerb und Besitz eines Schalldämpfers für Jagdlangwaffen wird als Voreintrag in die WBK eingetragen.

Für das Führen der Jagdlangwaffe mit Schalldämpfer ist kein Waffenschein erforderlich, der Umgang bei der Jagd und im Zusammenhang damit ist vom Jagdschein abgedeckt.Für detaillierte, rechtsverbindliche Informationen sind selbstverständlich die jeweiligen Jagd- und Waffenbehörden zuständig.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Stieglbauer

Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Landshut
Abteilung F2: Zentrale Jäger- und Falknerprüfungsbehörde
Dienstgebäude: Schwimmschulstraße 23, 84034 Landshut
Tel.: 0871-9622827, Fax: 0871-9622822
Email: peter.stieglbauer@aelf-la.bayern.de
Internet: www.jaegerpruefung.bayern.de